Saatguttagung 2017 in Kassel

Ökologische Pflanzenzüchtung in Zeiten des Klimawandels

Hitzewellen auf der einen, Starkregen und Stürme auf der anderen Seite – die Auswirkungen des Klimawandels stellen nicht nur Landwirtinnen und Gärtner, sondern auch die ökologische Pflanzenzüchtung vor neue Herausforderungen. Diese Herausforderungen, aber auch mögliche Lösungsansätze standen im Zentrum der diesjährige Saatgut-Tagung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, bei der sich Ende Januar in Kassel rund 120 Züchterinnen, Landwirte, Spenderinnen und Verbraucher trafen.

„Klima ist die wichtigste natürliche Ressource“, erklärte im Eröffnungsvortrag der renommierte Klimaforscher Prof. Dr. Hartmut Graßl, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Der Klimawandel sei vor allem ein „Abfallproblem“, deshalb sei neben einer weltweiten Drosselung des Kohlendioxid-Ausstoßes auch eine verantwortungsvoll wirtschaftende, ökologische Landwirtschaft von großer Bedeutung.

Die von Prof. Graßl erläuterten klimatischen Veränderungen erleben Landwirtinnen und Gärtner ganz konkret: Ein früherer Beginn des Pflanzenwachstums, neue Pflanzenkrankheiten, Hitzewellen ebenso wie Starkregen oder Stürme stellen sie auch in bisher gemäßigten Breitengraden vor neue Herausforderungen. In Kassel wurde deutlich, dass es durchaus unterschiedliche Lösungsansätze gibt, diesen Herausforderungen zu begegnen. Ein Beispiel ist die sogenannte Populationszüchtung. Sie setzt anders als die Züchtung einheitlicher Liniensorten auf einen vielfältigeren und damit anpassungsfähigeren Genpool, erläuterte Dr. Hartmut Spieß, Getreidezüchter am Dottenfelderhof in Bad Vilbel.

Um Anpassungsfähigkeit und Beweglichkeit ging es auch im Beitrag der Gemüsezüchterin Ulrike Behrendt von Kultursaat e.V., die von entsprechenden züchterischen Ansätzen beim Gemüse berichtete. Arbeitsgruppen und Pausengespräche boten Gelegenheit zum intensiveren Austausch über diese und weitere Fragen. Zum Abschluss schlug Martin von Mackensen, Leiter der Landbauschule am Dottenfelderhof, einen Bogen zu grundsätzlichen Fragen zum Verhältnis zwischen Natur und Mensch im Zeitalter des Anthropozän.

Saatguttagung 2017 in Kassel

Seit über 20 Jahren setzt sich der Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft in der GLS Treuhand für die ökologische Pflanzenzüchtung ein. „Es ist deutlich, dass der Klimawandel auch auf der Ebene der Pflanzenzüchtung Auswirkungen hat und neue Ansätze erfordert“, so Oliver Willing, Geschäftsführer der Stiftung. „Die verschiedenen Akteure setzen sich mit diesen wichtigen Zukunftsfragen bereits intensiv auseinander. Wir sind sehr froh, dass wir dank des 2016 nochmals gestiegenen Fördervolumens von rund 1,3 Mio. Euro diese wichtige Arbeit aus dem Saatgutfonds weiterhin unterstützen können.“