Da blüht uns was - gentechnisch verändertes Saatgut

Im letzten Jahr entschied der europäische Gerichtshof, dass die neuen Genome Editing-Verfahren wie CRISPR/Case (auch Genscheren genannt) als Gentechnik anzusehen sind. Nun geht das Ringen um diesen Punkt weiter. Der Deutsche Bauernverband und andere industrienahe Landwirtschaftsverbände sprechen sich dafür aus, dass dieser Beschluss rückgängig gemacht bzw. überarbeitet wird. Sie berfürchten, „dass die Agrarbranche in Deutschland vom wissenschaftlichen Fortschritt durch die Anwendung der neuen Züchtungsmethoden ausgeschlossen wird.“ (bdp-online.de)

Problematisch für die EU ist, dass andere Länder wie die USA, die angesprochenen Verfahren nicht als Gentechnik eingestuft haben. Das bedeutet, dass das Ernteprodukt oder das Saatgut im Produktionsland nicht gekennzeichnet werden muss. Bei der Einfuhr nach Europa stellt sich dann die Frage: sind die Pflanzen gentechnisch verändert oder nicht? Standardisiertes Verfahren um dies zu überprüfen, müssen noch entwickelt werden. Bemühungen dazu gibt es aber z.B. von Seiten des Landwirtschaftsministeriums anscheinend noch keine. Hier wird eher die Angst des Deutschen Bauernverbandes geteilt und somit das Urteil des EuGH in Frage gestellt (keine-gentechnik.de).

Welche Folgen aber die unkontrollierte Aussaat von gentechnisch verändertem Saatgut haben kann, macht ein aktueller Fall mit gentechnisch verunreinigten Rapssaatgut deutlich. Das aus Frankreich stammende Saatgut wurde zum Teil schon auf deutsche Äcker ausgebracht, als eine Verunreinigung festgestellt wurde. Etwa 2150 Hektar Raps mussten deshalb vor der Blüte untergepflügt werden. Die Flächen dürfen nun zunächst nicht wieder für den Rapsanbau genutzt werden. Allerdings gilt das Anbauverbot nur bis 2020 und das obwohl Rapssaatgut bis zu 10 Jahre im Boden keimfähig bleiben kann. Sollte es zu einer Blüte von gentechnisch verändertem Raps kommen, besteht die Gefahr, dass sich dieser mit heimischen Wildarten und anderen Kulturarten der gleichen Familie (wie z.B. Kohl und Senf) vermischt und somit Gentechnik durch die Hintertür freigesetzt wird (gen-ethisches-netzwerk.de).

Auch in Zukunft brauchen wir die Sicherheit, dass die Landwirtschaft vor einer gentechnischen Verunreinigung ihrer Ernte geschützt wird und die Verbraucher auch weiterhin sicher sein können, dass Lebensmittel gentechnik-frei sind.

Einen wichtigen Beitrag dafür leisten u.a. die biologisch und biologisch-dynamischen Züchtungsforschungsprojekte, die durch den Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft unterstützt werden.