Oben ohne bald normal?

Kühe und ihre Hörner

Wir alle lieben dieses Bild: Kühe mit Hörner auf der grünen Wiese, wie sie gemächlich Gras fressen und dann wiederkäuen. Doch dieses Bild gehört vielleicht bald der Vergangenheit an. Denn immer weniger Kühe tragen Hörner. In Deutschland nur noch ca. 10% aller Kühe! Die kleinen Hornansätze werden schon bei den Kälbern weggebrannt oder chemisch weggeätzt. Aber das kann schmerzhaft sein und wird von vielen Verbrauchern als Tierquälerei angesehen. Daher will man nun die Hörner durch Zucht entfernen. Das erscheint tierfreundlich und ist doch nicht schlimm, denken Sie? Was wäre jedoch, wenn die Hörner den Tieren als eine Art Sinnesorgan und Kommunikationsmittel dienen? Nehmen wir den Tieren nicht Wesentliches weg und greifen willkürlich in ihren Organismus ein?

Wenn man ein Horn berührt, spürt man Wärme. Das zeigt: Es ist durchblutet und somit direkt an den Blutkreislauf angeschlossen. Und nicht nur das, auch die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen kleiden es von innen aus. Es ist also mit der Stirnhöhle verbunden und jeder Atemzug wird auch durch das Horn geleitet. Im Gegensatz zu einem Geweih, das nicht belebt ist und jährlich abgeworfen wird, wächst ein Horn ein Leben lang. Es bildet, ähnlich wie ein Baum, Verhärtungen und Ringe aus, an denen man das Alter des Tieres, Krankheiten, Geburten oder Futterumstellungen erkennen kann. 

Die Tiere nutzen es zur Kommunikation/für ihr Sozialverhalten und zur Verteidigung. Wegen der Verletzungsgefahr (der Tiere untereinander und für den Menschen) wird daher propagiert, die Tiere müssten enthornt werden. Diese schmerzhafte Prozedur darf bis zu einem Alter von sechs Wochen ohne Betäubung durchgeführt werden. In deutschen Ställen sind fast alle hornlosen Tiere enthornt (und nicht etwa genetisch hornlos).

Tiere, die genetisch hornlos sind, bei denen sich also kein Horn ausbildet, wird diese Prozedur erspart. Das Erstaunliche: es kamen in der Vergangenheit immer mal wieder genetisch hornlose Rinder vor, diese konnten sich aber nicht durchsetzen. Und das obwohl die Hornlosigkeit dominant vererbt wird.

Heutzutage kann, auch durch die Nutzung von neuen Gentechnikmethoden wie CRISP/Cas, die Züchtung schneller als bisher dafür sorgen, dass es mehr genetisch hornlose Rinder gibt. Sodass es bald wahrscheinlich keine Bullen mehr geben wird, die Hörner vererben. Doch ist es erstmal so weit, wird es durch die dominante Vererbung der Hornlosigkeit sehr schwer werden, die Hörner wieder zurückzuholen. In einem Artikel der Lebendigen Erde sehen die Zukunftsprognosen für „Hornkühe“ deswegen düster aus. Doch welche langfristigen Auswirkungen die Hornlosigkeit auf die Tiere hat, wissen wir bislang noch nicht. Wir können jedoch jetzt schon erahnen, dass wir den Tieren mit der Enthornung oder der Zucht auf Hornlosigkeit ein wichtiges Sinnesorgan und Kommunikationsmittel nehmen. Dieser Umgang zeigt einmal mehr, dass wir die Tiere unseren Vorstellungen anpassen, anstatt die Verhältnisse den Bedürfnissen der Tiere anzupassen.

Möchte man in der ökologischen Landwirtschaft oder auch in konventionellen Betrieben weiterhin Kühe mit Hörnern halten, so muss jetzt mit einer eigenständigen Züchtung begonnen werden. Diese wollen wir durch den Tierzuchtfonds unterstützen – denn wir sind überzeugt, dass die Hörner zu den Kühen gehören.

Sie können uns dabei helfen!

Auf der Internetseite Hornkuh.de von Demeter, finden Sie noch weitere Informationen.