Glossar

Was ist eigentlich...?

Terminator-Technologie

Unter dieser Bezeichnung (von lat. terminus: das Ende) wurde 1998 ein Patent zur „Kontrolle pflanzlicher Genexpression“ angemeldet. Dies bedeutet, das die Aktivität eines bestimmten Gens extern, also durch den Menschen, ein- oder ausgeschaltet werden kann. In der Folge zeigt die Pflanze dann nur bestimmte Eigenschaften

Das Terminatorprinzip basiert auf drei eingebauten Genen: zwei davon wirken zusammen, um zunächst bei dem Saatguthersteller die tödliche Wirkung des dritten Gens zu unterdrücken. Soll das Saatgut jedoch verkauft werden, wird es mit Substanzen (meist Antibiotika) behandelt, die das dritte „Killergen“ aktivieren und somit die nächste Samengeneration steril macht.

Smart Breeding

Smart Breeding nennt man die Nutzung von DNA-Analysen bei der Züchtung. Klassische Züchtung beruht darauf, die Ergebnisse einer Kreuzung, in der Regel die ausgewachsenen Pflanzen, als Ganzes zu betrachten und daraus die gewünschten Eigenschaften zu selektieren. Wenn allerdings eine DNA-Sequenz identifiziert werden kann, die nur dann im Genom der Pflanze enthalten ist, wenn diese auch eine bestimme Eigenschaft hat, kann dies die Selektion beschleunigen. Smart Breeding ist kein gentechnisches Verfahren.

Samenfeste Sorte

Samenfest bedeutet, das aus den Samen dieser Sorte Pflanzen wachsen, die dieselben Eigenschaften und Gestalt haben, wie deren Mutterpflanzen. Solche Sorten können noch natürlich vermehrt werden. Sie entstehen durch die züchterische Bearbeitung einer Kultur mit Hilfe von Kreuzungen und Selektion über Generationen hinweg. Durch die Einkreuzung einzelner Pflanzen kann gezielt auf bestimmte Merkmale wie Farbe, Form, Krankheitsresistenz, Geschmack oder Trocknistoleranz selektiert werden. Die Nachkommen dieser Kreuzung vererben ihre Eigenschaften weiter. Diese Entwicklung wird so lange weitergeführt, bis die Nachkommen einer Generation die gewünschten Merkmale einheitlich ausprägen – also eine neue Sorte entstanden ist.

Das Saatgut von samenfesten Sorten kann für den Nachbau verwendet werden, ohne dass die sortentypischen Eigenschaften verloren gehen. Im Gegensatz dazu sind Hybridsorten nicht nachbaufähig – ihre sortentypischen Eigenschaften werden bei der Wiederaussaat nur noch unregelmäßig ausgeprägt. Hybridsorten besitzen damit quasi einen biologisch eingebauten Sortenschutz. Das Saatgut muss daher jedes Jahr neu zugekauft werden.

Positive Massenauslese

Die klassische Pflanzenzüchtung entwickelt Sorten, indem, sehr vereinfacht ausgedrückt, Pflanzen mit bestimmten, gewünschten Eigenschaften vermehrt, miteinander gekreuzt und deren Nachkommen ggf. wieder gekreuzt werden. Ziel ist es, unerwünschte Eigenschaften herauszuzüchten und die erwünschten zu fördern. Dafür können einerseits besonders schlechte Pflanzen aus dem Gesamtbestand aussortiert werden (negative Massenauslese). Alternativ werden die besonders geeigneten Pflanzen herausgenommen (selektiert) und weitervermehrt. Dieses Vorgehen wird positive Massenauslese genannt.

Koexistenz

Unter Koexistenz versteht man in Zusammenhang mit der Agro-Gentechnik das Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik. Abstandsregelungen und sorgfältiges Reinigen der landwirtschaftlichen Geräte und Fahrzeuge sollen Verunreinigungen von konventionellen Pflanzen mit gentechnisch verändertem Erbgut gering halten. Da Verunreinigungen nicht zu vermeiden sind, sieht das EU-Recht eine Verunreinigung unserer Lebensmittel mit Spuren von gentechnisch veränderten Organismen bis zu 0,9% vor, ohne dass sie entsprechend gekennzeichnet werden müssen.

Hybridsorten

Hybridsorten entstehen aus der Kreuzung künstlich erzeugter Inzuchtlinien. Da die meisten Gemüsearten Fremdbefruchter (also mischerbig) sind, müssen sie durch erzwungene Selbstbefruchtung reinerbig gemacht werden. Während des mehrjährigen Inzuchtprozesses degenerieren diese Elternlinien.

Kreuzt man zwei reinerbige Elternlinien, entstehen in der nächsten Generation (F1 genannt) sogenannte Hybride, die einheitliche Formen, große Früchte und hohe Erträge zeigen (Heterosiseffekt). Diese Eigenschaften werden jedoch nicht weitervererbt. Hybride werden daher als "nicht samenfest" bezeichnet und müssen jedes Jahr von den Gärtnern und Gärtnerinnen zugekauft werden. Hybride sind gegenüber samenfesten Sorten oft wässriger und zeigen ein schlechteres Reifevermögen. Ihre Nahrungsqualität ist umstritten.

Haferflugbrand

Haferflugbrand (lat. Ustilago avenae) ist eine samenbürtige, d. h. eine am Samen anhaftende, Pilzkrankheit. Statt gesunder Haferkörner wird eine schwarze Sporenmasse ausgebildet, was zu Ernteausfällen führt. Während der Blütezeit können die Sporen mithilfe des Windes gesunde Pflanzen infizieren. Auch die Vermischung von Flugbrandsporen mit gesunden Haferkörnern bei der Ernte kann bei der Aussaat im Folgejahr zu einer Infektion führen. Daher muss Hafer, der als Saatgut vermarktet werden soll, praktisch frei von Flugbrand sein. Für den Ökolandbau ist es von hoher Wichtigkeit, dass die genutzten Sorten gegen die Krankheit resistent sind. Im konventionellen Anbau dagegen wird sie mit chemisch-synthetischen Beizmitteln bekämpft.

Getreidebrand

Unter Getreidebrand fasst man eine Reihe von Pilzerkrankungen zusammen, die durch Sporenlager im Bereich der Ähre oder Rispe sichtbar werden. Anstatt der Körner werden Pilzsporen gebildet, die in der Regel für Mensch und Tier giftig sind. Die Brände sind saatgutbürtig, das heißt die Infektion erfolgt über das Saatgut, bei manchen Pilzen auch über den Boden.

Beim Steinbrand und beim Hartbrand sitzen die Sporen außen am Korn, weshalb sie leichter bekämpfbar sind, z. B. mit ‚Tillecur‘. Demgegenüber sitzt beim Flugbrand der Pilz im Inneren des Korns oder unter dem Spelz und ist dadurch sehr schwer biologisch zu bekämpfen. Hier wirken vorwiegend Heißwasserbeizen, die sehr aufwändig sind. Saatgut mit mehr als 0,1 Gewichtsprozent Sporen darf nicht mehr verfüttert werden und ist auch für den menschlichen Verzehr nicht geeignet.

Gentechnisch veränderter Organismus (GVO)

Nach der Europäischen Freisetzungs-Richtlinie und dem deutschen Gentechnik-Gesetz ist ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO) „ein Organismus, dessen genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie es unter natürlichen Bedingungen durch Kreuzen oder natürliche Rekombination nicht vorkommt“. Häufig wird dafür auch die aus dem Englischen „genetically modified organism“ abgeleitete Abkürzung GMO verwendet.

Dasypyrum villosum

Wie unser Getreide gehört D. villosum zur Familie der einjährigen Gräser. Es ist eine mit Roggen und Weizen verwandte Pflanze, die noch nie kultiviert wurde. Besonderes Merkmal sind feine Haarbüschel an den Spelzen, die ihm den Namen „Zottiger Haarweizen“ gaben. Ursprünglich kommt Dasypyrum villosum von Sardinien bis zur Krim in vielen Varianten vor – dort wo die Steppenvegetation beginnt. Den trockenen Sommer überdauert es als Samen.

Im Versuchsanbau wird Dasypyrum wie Roggen gesät, da es ähnliche Ansprüche an die Fruchtfolge stellt. Die Ernte ist schwierig, denn zur Reife wird die Ährenspindel (Mittelrippe der Ähre) brüchig und die einzelnen Ährchen (i.d.R. mit zwei Körnern) streuen von oben beginnend nacheinander aus. Das Dreschen ist deshalb mit hohen Verlusten verbunden. Wie bei Dinkel muss das Korn anschließend aus dem Spelz befreit werden. Das Mehl lässt sich wie Weizenmehl verarbeiten.

Braunfäule

Die Braunfäule ist eine Pilzerkrankung der Tomaten, die durch den Pilz Phytophthora infestans verursacht wird. Dieser Pilz befällt auch gerne Kartoffelpflanzen und wird dann Kraut- und Knollenfäule genannt. Die Braunfäule kann in Tomatenbeständen zum völligen Ertragsausfall führen. Befallene Stängel, Blätter und Früchte zeigen braune Flecken.

Die Pilzsporen werden im Mai und Juni über den Wind oder Insekten verbreitet. Wenn die Pflanzenteile, auf denen die Sporen landen, feucht sind, keimen die Sporen innerhalb weniger Stunden. Daher ist der Anbau im Gewächshaus eine wichtige vorbeugende Maßnahme. Auch beim Bewässern dürfen die Pflanzen nicht feucht werden. Regelmäßiges „Ausgeizen“ zur Reduzierung der Blattmasse und weite Abstände beim Setzen der Pflanzen sind weitere Vorsorgemaßnahmen.

Bildekräfteforschung

Die Bezeichnung „Bildekräfte“ geht unmittelbar auf Rudolf Steiner zurück, der mit diesem Begriff Naturkräfte bezeichnete, die aus den einzelnen stofflichen Komponenten eines Lebewesens ein lebendiges Ganzes bilden. Diese „Ätherkräfte“ sind an der Form und Gestaltausbildung der einzelnen Naturerscheinungen beteiligt und für unsere physischen Sinnesorgane nur indirekt wahrnehmbar. Jedoch können viele Menschen eine innere Wahrnehmungsfähigkeit für die Wirkungen dieser Kräfte entwickeln.

Die Wirkungen werden nach Kräfteströmungen, Formgestaltungen und seelischen Empfindungen charakterisiert und lassen eine Wahrnehmung dafür entstehen, was an lebendigen Kräften nichtphysikalischer Art wirksam ist. Einige biologisch-dynamische Züchter/innen nutzen die Bildekräfteforschung, um ein differenzierteres Bild für die Qualität der Pflanzen und des Saatguts auszubilden.

Buchtipp: Dorian Schmidt, Lebenskräfte - Bildekräfte, methodische Grundlagen zur Erforschung des Lebendigen, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 2010, 213 S., 19,80 €

Auskreuzung

Auskreuzung ist die Übertragung einer genetischen Eigenschaft durch Befruchtung. Sie findet zwischen gleichen oder zwischen nahe verwandten Arten statt. Bei Pflanzen erfolgt dies meist durch Bestäubung.

Die Pollen unterschiedlicher Pflanzen werden durch Wind, Bienen und andere Tiere verbreitet – mitunter über weite Distanzen hinweg. So können gentechnisch erzeugte Eigenschaften auf Ackerpflanzen oder auf wilde Verwandte übertragen werden (z. B. von Raps auf Rüpsen) und sich in der nächsten Generation auch wieder in Kulturpflanzen einkreuzen. Dieser für die natürliche Vielfalt problematische Vorgang macht eine Trennung von gentechnischer und gentechnikfreier Landwirtschaft langfristig unmöglich. Zudem ist es schwierig, mögliche Umweltauswirkungen umfassend zu bewerten.

Veredeln und Pfropfen bei Obstgehölzen

Bei der Veredelung von Obstgehölzen wird ein junger Ast einer erwünschten Sorte mit einem Obstbaumstämmchen (Unterlage) so verbunden (gepfropft), dass dieser Ast anwächst und in Zukunft der gesamte Baum die gewünschte Sorte trägt. Beim Aussäen der Kerne eines Apfels dagegen, entstehen Bäume mit jeweils unterschiedlichen Fruchteigenschaften. Das Besondere der jeweiligen Apfelsorte geht verloren. Nur durch das Veredeln können also Obstsorten mit bestimmten Eigenschaften über einen längeren Zeitraum erhalten werden.