Aktuelle Förderprojekte

Die ökologische Züchtung einer neuen Getreidesorte kann bis zu 10 Jahre dauern und mehr als 600.000 € kosten. Der Saatgutfonds konzentriert sich daher auf die kontinuierliche und verlässliche Förderung von derzeit vier Getreidezüchtungsinitiativen: Die Forschung & Züchtung Dottenfelderhof, die Getreidezüchtung Darzau, die Getreidezüchtung Peter Kunz und das Keyserlingk-Institut.


Forschung & Züchtung Dottenfelderhof

Bereits seit den 70er Jahren erforscht und züchtet Dr. habil. Hartmut Spieß von der Forschung & Züchtung Dottenfelderhof Getreidesorten für den ökologischen Landbau. Und das sehr erfolgreich, wie man an den sechs, bereits für den Anbau zugelassenen Sorten sehen kann.



Züchtungsstandort ist der Dottenfelderhof, ein seit 1968 von mehreren Familien gemeinschaftlich bewirtschafteter Demeter-Betrieb bei Frankfurt am Main. Neben Viehhaltung, Acker- und Gemüsebau, Holzofenbäckerei, Käserei, Hofladen und einem Hof-Café werden in der hofeigenen Landbauschule auch Fortbildungen zum bio-dynamischen Landbau angeboten. Im angegliederten Forschungsbereich züchten Hartmut Spieß und sein Team an Sommer- und Winterweizen, Hafer, Roggen, Gerste, Futtermais und Emmer.

Züchtungsziele sind die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten, gute Leistungen bei Nährstoffverwertung sowie gute Ertrags- und Backeigenschaften. Auch die Nahrungsmittelqualität und der Geschmack spielen bei den Züchtungsentscheidungen eine bedeutende Rolle.

Das Team betreibt zudem Forschung zur Anwendung biologisch-dynamischer Präparate, zur Düngung und zum biologischen Pflanzenschutz. Damit stehen auf dem Dottenfelderhof Forschung, Züchtung und landwirtschaftliche Praxis in einem engen Austausch – eine ideale Voraussetzung für die praxisnahe und ganzheitliche Weiterentwicklung des biologischen Landbaus!

Website der Forschung & Züchtung Dottenfelderhof


Getreidezüchtungsforschung Darzau

Im nördlichen Wendland engagiert sich Dr. Karl-Josef Müller von der Getreidezüchtungsforschung Darzau seit 1989 für die biologisch-dynamische Getreidezüchtung. Trägerverein der Initiative ist die Gesellschaft für goetheanistische Forschung e.V.

Ein Schwerpunkt der Züchtungsarbeit von Karl-Josef Müller und seinem Team ist die Entwicklung von Zuchtzielen für Öko-Getreidesorten. Dazu zählen z. B. die Fähigkeit der Sorten zur Beikrautregulierung und zur Anpassung an die Nährstoffverfügbarkeit unterschiedlicher Böden, Resistenzen gegenüber Krankheiten sowie die Verbesserung der Backeigenschaften und der Nahrungsqualität. Zudem werden im Rahmen der Initiative Roggen, Einkorn, Weizen, Gerste und Hafer züchterisch weiterentwickelt.

Große Bekanntheit erlangte der von Karl-Josef Müller gezüchtete Lichtkornroggen: Eine helle Roggensorte, die sich durch einen milden Geschmack und eine verbesserte Verträglichkeit auszeichnet. Aus dem Getreide können für Roggen ungewöhnlich helle, lockere Brote gebacken werden.

Für ihre Pionierarbeit im Bereich der ökologischen Pflanzenzüchtung wurde die Getreidezüchtungsforschung Darzau 2014 mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau ausgezeichnet.

Website der Getreidezüchtungsforschung Darzau


Getreidezüchtung Peter Kunz

Die Getreidezüchtung Peter Kunz (GZPK) wurde 1984 in der Schweiz gegründet und ist seit 2000 als "Verein für Kulturpflanzenentwicklung" gemeinnützig anerkannt. Das Tätigkeitsfeld ist vielfältig: Die Züchter/innen widmen sich der Erforschung neuer Zuchtmethoden, züchten auf biologisch-dynamischer Grundlage Getreide-, Mais- und Sonnenblumensorten für den ökologischen Landbau, erforschen die Nahrungs- und Heilpflanzenqualität von Sorten und bieten Aus- und Weiterbildungen im Züchtungsbereich an. 2015 wurde in Deutschland eine Außenstelle gegründet: die Getreidezüchtung Peter Kunz Deutschland gGmbH. 

Bei der Getreidezüchtung konzentrieren sich die Züchter/innen u.a. auf die Aufgabe, die Widerstandsfähigkeit der Sorten gegenüber Krankheiten, Schädlingen, Beikraut und ungünstigen Anbaubedingungen zu erhöhen. Auch der Backqualität und der Sensorik wird große Aufmerksamkeit geschenkt.

Seit 1997 beschäftigt sich die GZPK zudem mit dem Aufbau einer Mais-Population, deren Pflanzen offen ab-blühen. Ziel ist es, eine Maissorte zu entwickeln die samenfest, d. h. nachbaufähig ist und eine ertragreiche Alternative zu den Hybridsorten der Züchtungskonzerne bietet. Aufgrund der voranschreitenden Zulassungen gentechnisch veränderter Maissorten ist dieses Züchtungsprojekt von besonders großer Bedeutung für die ökologische und gentechnikfreie Landwirtschaft.

Die bislang kaum betriebene ökologische Züchtung von Ölpflanzen wie Raps, Sonnenblume und Saflor (Färberdistel) gehört ebenfalls zum Aufgabenspektrum der GZPK. Auch bei diesen Sorten stehen heute häufig nur noch Hybride oder alte Sorten zur Verfügung, die den Ansprüchen der modernen, ökologischen Landwirtschaft nicht gewachsen sind.

Website der Getreidezüchtung Peter Kunz


Keyserlingk-Institut

1988 gründeten Dr. Bertold Heyden und Elisabeth Beringer mit Unterstützung mehrerer biologisch-dynamisch arbeitender Landwirtinnen und Landwirte das Keyserlingk-Institut am Bodensee. Träger des Instituts ist der Verein zur Förderung der Saatgutforschung im biologisch-dynamischen Landbau e.V.

Das Institut konzentriert seine Arbeit auf die Erhaltung und Weiterentwicklung bewährter Getreide-Hofsorten. Ein besonderer Fokus liegt auf der Züchtung neuer Weizen- und Roggensorten für die Bodenseeregion und klimatisch ähnliche Standorte. Bislang konnten bereits vier Sorten durch die Selektion aus langjährig biologisch-dynamisch gepflegten Hofsorten entwickelt werden.

Zusammen mit Roggen- und Dinkel-Hofsorten bilden die Neu-Züchtungen die Grundlage für das „Regionalsortenprojekt“, für das 17 Höfe diese Sorten anbauen. Die Ernte wird von drei Bäckereien zu Brot verbacken und unter dem Logo SaatGut-Brot von ca. 100 Naturkostläden in Süddeutschland verkauft.

Ein weiterer Schwerpunkt des Keyserlingk-Instituts ist das Forschungsprojekt "Wildgrasveredelung". Ziel ist es, aus geeigneten Wildpflanzen Nahrungspflanzen für den Menschen zu entwickeln. Seit einigen Jahren wird daher an dem "Wildgetreide" Dasypyrum villosum (Haarweizen) gearbeitet, das ursprünglich zwischen der Krim und Sardinien beheimatet ist. Bei der züchterischen Entwicklung werden die Nahrungsqualität, die Ertragsleistung und die Krankheitsresistenzen des Getreides untersucht und berücksichtigt.

Seit 2012 forscht das Institut, unter der Projektleitung von Udo Hennenkämper, auch an der züchterischen Weiterentwicklung von Linsensorten. Dies ist umso bemerkenswerter, da die letzten Linsen-Züchter in Deutschland ihre Tätigkeit, aufgrund der geringen Nachfrage, nach dem 2. Weltkrieg einstellten.

Website des Keyserlingk-Instituts