Bildungsfonds Landwirtschaft

Junge Menschen mit Begeisterung und Engagement sind die wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige Agrarkultur. Dafür ist es notwendig, Kindern wieder mehr landwirtschaftliche Erlebnisse zu ermöglichen. Ebenso benötigen wir junge Praktiker*innen, die mit frischen Ideen auf die Höfe gehen und die Zukunft gestalten. Der Bildungsfonds Landwirtschaft fördert Schul- und Kindergartenbauernhöfe, die Freie Ausbildung im bio-dynamischen Landbau und viele weitere landwirtschaftliche Bildungsprojekte für Kinder und junge Erwachsene.
Wenn Sie mehr erfahren oder weitere Projekte kennenlernen möchten, freuen wir uns auf Ihre Anfrage!


Landwirtschaft erleben auf dem Schulbauernhof Hutzelberghof

Der Schulbauernhof Hutzelberg in Bad Sooden-Allendorf bietet seit 1999 im Jahr ca. 1000 Schulkindern im Alter von acht bis zwölf Jahren die Möglichkeit, während eines einwöchigen Aufenthaltes die Grundzusammenhänge einer ökologischen Demeter-Landwirtschaft mit Ackerbau, Viehhaltung und Nahrungsmittelverarbeitung durch angeleitete Mitarbeit und eigenhändiges Tun kennenzulernen. Als zum Hof gehöriger Beherbergungsbetrieb bietet die „Ökologische Hofherberge“ Raum für den Aufenthalt, die Übernachtung und Verpflegung von Gruppen. 

Zum Hof gehören einige Milchkühe mit Nachzucht, Schweine, Hühner, Schafe, Kaninchen, Gänse, einige Arbeitspferde, Katzen und ein Hund. Außerdem 6 ha Ackerland, ein Bauern- und ein Obstgarten, ein Gewächshaus sowie 17 ha kräuterreiche Wiesen und Streuobstweiden. Außerdem eine Käserei, eine Bäckerei, Bienenstöcke zur Honiggewinnung und eine hofeigenen Lehrküche. Hier bereitet eine Köchin gemeinsam mit den Kindern aus den selbstgeernteten und -produzierten Erzeugnissen köstliche Mahlzeiten zu. Darüber hinaus werden landwirtschaftliche Handwerke wie Filzen, Flechten, Schmieden, Besen binden und Flachsaufarbeitung angeboten. Der Hutzelberghof bietet damit einen authentischen und vielfältigen Einblick in die ökologische Landwirtschaft.

Durch die Arbeit in Kleingruppen von maximal acht Kindern können diese unter fachkundiger Anleitung intensiv in die ökologische Landwirtschaft eintauchen. Sie lernen, Verantwortung für ihre Mitwelt und Mitgeschöpfe zu übernehmen und erlangen dadurch zunehmendes Selbstvertrauen: Eine große Kuh eigenhändig melken, ein schweres Arbeitspferd lediglich durch Gesten vom Boden lenken, Gänse treiben, am offenen Bienenvolk stehen und dabei vielleicht sogar Honig naschen…Die eigenständige Lebensmittelgewinnung und -verarbeitung fördert zudem die Identifikation mit dem Ergebnis der Arbeit und damit die Wertschätzung mit den Produkten.

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft hat dieses zukunftsweisende Projekt 2017 mit 10.000 € gefördert.

Hier geht es zur Website des Hutzelberghofs.


Etwas anders – die "Freie Ausbildung"

Junge Bäuerinnen und Bauern braucht das Land!

Die ökologische Landwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherung und zum Klima- und Naturschutz. Sie schützt die natürliche Vielfalt von Tieren und
Pflanzen und liefert gesunde Lebensmittel. Die Voraussetzung für erfolgreichen ökologischen Landbau sind Biobauern und Bäuerinnen mit landwirtschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Fähigkeiten und Kenntnissen.

Schon heute werden dringend junge LandwirtInnen und GärtnerInnen als Nachfolger gesucht, denn bei 2/3 aller Höfe in Deutschland ist noch ungeklärt, wer den Betrieb weiterführen wird. Junge, gut ausgebildete Menschen sind die Grundlage für einen starken und zukunftsfähigen ökologischen Landbau.

Der Nachwuchs muss dabei das besondere Wissen zum biologischen Landbau mitbringen und den Herausforderungen eines Bio-Hofes mit ausreichend Praxiserfahrung begegnen können. Die staatliche Ausbildung für LandwirtInnen und GärtnerInnen bietet jedoch kaum Möglichkeiten sich Wissen zum Biolandbau anzueignen. An den wenigen Berufsschulen werden fast nur die Methoden des konventionellen Landbaus gelehrt. Auch das Wissen zum bio-dynamischen Landbau wie z.B. die ganzheitliche Gestaltung eines Betriebes oder die Nutzung von Präparaten, steht an staatlichen Schulen nicht auf dem Lehrplan.

Seit 2008 Jahren gibt es die „Freie Ausbildung“ für bio-dynamischen LandwirtInnen und GärtnerInnen in Ostdeutschland. In Nord- und Westdeutschland ist sie schon seit einigen Jahrzehnten etabliert. Seit einigen Jahren ist eine verstärkte Zusammenarbeit und Angleichung der Freien Ausbildungen in Planung, um Kräfte zu bündeln und ein geschlossenes Auftreten zu ermöglichen.

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft unterstützte dieses außergewöhnliche Ausbildungsangebot seit 2011 mit insgesamt rund 60.000 Euro. Die Maßnahmen zur angestrebten Zusammenarbeit werden von 2016-2018 mit 30.000 Euro gefördert.

Notruf der Freien Ausbildung Mitte: 2017 griff die Zukunftsstiftung Landwirtschaft den Notruf der Freien Ausbildung Mitte auf, dem kurzfristig die staatliche Förderung gestrichen wurde und damit die Fortführung der Ausbildung bedroht war. Die Resonanz auf den Spendenaufruf war überwältigend und innerhalb weniger Wochen wurden die benötigten 150.000 Euro zusammengetragen. Mehr erfahren Sie hier.

Einen kleiner Film, der bei der Abschlussfeier der Freien Ausbildung 2018 gedreht wurde, zeigt mit welchen vielfältigen Themen sich die Auszubildenen während ihrer Ausbildungszeit beschäftigen.

Hier geht es zur Website der Freien Ausbildungen.


Hier kommt EdGar - das mobile Gewächshaus

Seit 2016 bringt das Gartenmobil „EdGar“ frischen Wind in Schulgärten und verankert deren Bewirtschaftung im Stundenplan. „EdGar“ steht für Educational Gardening. Bei dem Gartenmobil selber handelt sich um ein fahrbares Jungpflanzen­gewächshaus mit Solaranlage, Heizung, automatischer Belüftung und Bewässerungssystem. das zudem noch Gartengeräte oder Saatgut lagern kann. Unter der fachlichen Anleitung von drei Umweltpädagog*innen wird für die Schulkinder an bis zu fünf Grundschulen der Anbau gesunder biologischer Lebensmittel im Jahresverlauf erlebbar.

Die teilnehmenden Schulen in der Region Nordhessen werden wöchentlich vom Gartenmobil besucht. Gemeinsam mit den Umweltpädagog*innen, bei denen es sich auch um die Initiator*innen handelt, bewirtschaften die dritten und vierten Jahrgangsstufen ihren Schulgarten vor Ort. Von der Anbauplanung bis zur Ernte werden die Schülerinnen und Schüler an allen Schritten des Gärtnerns aktiv beteiligt. Das handlungsorientierte, handwerkliche und kooperative Lernen steigert Motivation und Selbstvertrauen der Schüler*innen und resultiert in einem verbesserten Umwelt- und Ernährungsbewusstsein. Das Projekt „EdGar“ ist ganzjährig angelegt, sodass die Kinder das Gärtnern von der Aussaat über die Ernte bis zur Verarbeitung lernen können. Im Frühjahr werden im Gartenmobil Jungpflanzen angezogen, im Sommer Kübelpflanzen platziert, im Herbst die Ernteprodukte getrocknet und in den kalten Monaten Wintersalate angepflanzt. Da sich „Edgar“ teilweise aus regenerativen Energien speist, auf einer effizienten Wärmenutzung basiert und ein ausgeklügeltes Regenwasserauffangsystem integriert ist, dient er gleichzeitig als Anschauungsobjekt im Unterricht - für Themen wie Wasserkreislauf und Klimawandel.  

Das Konzept ist langfristig auf andere Regionen übertragbar.

Der erste Durchgang des Projektes im Schuljahr 2016/17 wurde von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft mit 2.000 Euro gefördert.

Hier geht es zur Website von EdGar.


Kinderleicht – Landwirtschaft entdecken

Junge Menschen für den ökologischen Landbau und einen nachhaltigen Lebensstil begeistern – das ist das Ziel des Ökolöwe Umweltbund Leipzig e.V.

Eine Kindergartengruppe wühlt sich auf der Suche nach Kartoffeln durch die Erde, pflückt Kirschen von Bäumen und backt Brot aus selbst gemahlenem Mehl. Eine Gruppe Jugendlicher sucht im Supermarkt nach Bio-Lebensmitteln, diskutiert über Gentechnik und erfährt im Klassenzimmer und auf dem Bauernhof was konventionelle Lebensmittel von biologischen unterscheidet.

Mit seinem Projekt „Kinder entdecken die Landwirtschaft“ will der Ökolöwe e.V. jungen Menschen, auch mit finanziell schwächerem Hintergrund ermöglichen, nachhaltig und lebensnah landwirtschaftliches Arbeiten und die ökologische Produktion von Lebensmitteln kennen zu lernen.

Gelernt wird mit allen Sinnen – Erlebnisräume wie Bauernhöfe, Supermärkte und Bio-Bäckereien bieten dazu viele Möglichkeiten außerhalb des Klassenraumes. Das persönliche Erleben und die dadurch entstehende emotionale Bindung zu Landwirtschaft und Natur stehen dabei im Vordergrund. Denn die emotionale Vertrautheit mit Natur und Umwelt ist eine wichtige Grundlage, um später erlerntes Wissen in praktisches und nachhaltiges Handeln umsetzen zu können.

Der Ökolöwe arbeitet bei diesem Projekt eng mit Kindergärten, Schulen und Betrieben zusammen. Die intensive Begleitung der Bio-Betriebe befähigt diese, auch eigenverantwortlich Bildungsveranstaltungen durchzuführen.

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft hat den Verein Ökolöwen Leipzig seit 2011 mit insgesamt 33.500 € unterstützt.

Projektseite des "Ökolöwen Umweltbund Leipzig"


Mit Spaß gärtnern

Der Schulgarten Hebenhausen will Kindern mit viel Spaß die Landwirtschaft näher bringen.

Das Gemüse-Kollektiv Dorfgarten aus Hebenshausen in Nordhessen ist eine Gemüse-Gärtnerei, die Gemüse nach dem Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft erzeugt und verteilt. Auf etwa 2 ha werden über 40 verschiedene Kulturen mit mehr als 100 verschiedenen samenfesten Sorten für etwa 100 Haushalte in der Umgebung erzeugt. 

Schüler*innen aus der Umgebung wird gezeigt wo das Essen herkommt und wie es angebaut werden kann. Von den Osterferien bis zu den Herbstferien können vier Klassen jede Woche ein bis zwei Unterrichtssunden im Schulgarten und auf den Flächen der Gärtnerei verbingen. Es wird z.B. gemeinsam Gemüse geerntet, gemeinsam geschnibbelt (für leckere Rohkostteller), Tee gekocht und Obst gepflückt. Ganz neben können die Kinder die Flächen der Gärtnerei erkunden. Bei schlechtem Wetter gibt es die Möglichkeit ein Saatgut-Quiz zu erstellen und zu spielen, um so die verschiedenen Pflanzen etwas besser kennenzulernen.

Die Zukunftsstfitung Landwirtschaft hat das Projekt im Jahr 2016 mit 2.500 € unterstützt.

Internetseite des Dorfgarten Hebenshausen


Schief und krumm – ein Fall für die Tonne?

Jedes Jahr landen in der Europäischen Union ca. 300 kg Lebensmittel pro Kopf im Müll. Davon werden 200 kg bereits während der Erzeugung oder im Handel verklappt, während der Rest von den Verbraucher/innen selbst weggeschmissen wird (FAO-Studie von 2011).

Demnach verschwenden wir jedes Jahr fast 50 % unserer Weizenernte und 46 % des angebauten Obsts und Gemüses.

Der Blick in die Tonne verrät:
Ein Großteil der entsorgten Grund-nahrungsmittel entspricht nicht den optischen oder logistischen Kriterien und Normen – sie sind zu klein, zu groß oder zu krumm.


Mit dem Schulprojekt Projekt „Teller statt Tonne“ setzt sich Slow Food Deutschland gegen diese Verschwendung ein und konzentriert sich dabei auf die jüngsten Verbraucher/innen. Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen erleben im Klassenzimmer und auf dem Bauernhof wie unser Konsum und unsere Schönheitsideale beim Essen mit dem Hunger in der Welt zusammenhängen.

Während eines gemeinsamen Projekttages auf einem nahe gelegenen, ökologischen Bauernhof ernten und verkochen die Kinder und Jugendlichen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern Gemüse, das aufgrund von Marktnormen oder den Ansprüchen der Konsumenten aussortiert werden musste. In theoretischen Unterrichtseinheiten wird gemeinsam und mit Hilfe von Unterrichtsmaterialien, die von Slow Food zur Verfügung gestellt werden, ein Blick auf die Lebensmittelproduktion in der Welt und ihre direkten und indirekten Folgen auf Umwelt, Klima und Ernährungssicherheit geworfen.

Mit diesem Projekt sensibilisiert Slow Food junge Menschen für die globale Ernährungssituation und befähigt sie, eigene Konsumgewohnheiten und Vermarktungsstrategien zu hinterfragen und zu verändern. Slow Food unterstützt interessierte Lehrerinnen und Lehrer bei der Konzeption der Projekttage, koordiniert die Kontaktaufnahme zu Bio-Höfen und stellt einen umfangreichen Handlungsleitfaden zur Verfügung.

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft unterstützte die Konzeption des Projektes, die Erarbeitung der Unterrichtsmaterialien, die Umsetzung in der Pilotphase und das erste Projektjahr mit insgesamt 6.000 €.

Website des Slow Food-Schulprojektes „Teller statt Tonne“