Forschung & Praxis – Aktuelle Förderprojekte

Hier stellen wir Ihnen beispielhafte Projekte unseres Förderbereiches Forschung & Praxis vor. Wenn Sie mehr erfahren oder weitere Projekte kennenlernen möchten, freuen wir uns auf Ihre Anfrage!


Teosinte – Eine Wildform wird zum Super-Unkraut?

Auf Spaniens Äckern taucht seit einigen Jahren immer häufiger eine Form der Teosinte (Wildform von Mais) auf, welche ursprünglich aus Zentralamerika stammt. Wie sie nach Spanien kommen konnte ist bisher noch unklar. In einer wissenschaftlichen Studie von Testbiotech konnten nun Kreuzungen von Teosinte mit Kulturmais nachgewiesen werden.

Der offenbar freie Genfluss zwischen Teosinte und Kulturmais stellt ein hohes Risiko dar. Da besonders zu Beginn der Wuchsperiode Teosinte und Kulturmais kaum zu unterscheiden sind, ist eine Erkennung und Bekämpfung des neuen Unkrautes fast unmöglich. So sind durch die Ausbreitung der Teosinte bereits erhebliche ökonomische Schäden entstanden. Noch weitreichender könnten aber die Folgen sein, falls sich auch gentechnisch-veränderter Mais (wovon in 2016 über 100 000 Hektar in Spanien angebaut wurden) frei mit Teosinte kreuzt. Dadurch könnte Teosinte zu einem unberechenbaren Unkraut werden, das z. B. selbst Insektengift produziert. Erhebliche Schäden in Landwirtschaft und Umwelt wären die Folge. Deswegen fordert Testbiotech einen Anbaustopp von gentechnisch verändertem Mais in Spanien. Die EU schreibt vor, dass ein möglicher Gen-Austausch zwischen Gentechnik-Pflanzen und verwandten wilden Pflanzen genau untersucht werden muss. Dies ist jedoch bislang nicht geschehen, da die Ausbreitung der Teosinte in Spanien erst seit einigen Jahren bekannt ist.

Die Erstellung der Studie von Testbiotech wurde von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft mit 4.000 Euro unterstützt.

www.testbiotech.de


Ökologische Kalidüngung

Ein zu niedriger Kaliumgehalt im Boden kann Pflanzen dauerhaft schädigen.

Ein zu niedriger Kaliumgehalt führt zu einer Unterversorgung der Pflanzen und dadurch zu deren Schädigungen bzw. zu Mindererträgen. Eine gleichmäßige und nachhhaltige Versorgung des Bodens mit Kalium ist gerade für ökologische Betriebe mit geringer Tierhaltung von großer Bedeutung. Denn neben Mist gibt es nur wenige andere Biodünger mit Kalium. Um neue Wege und Alternativen zu finden, muss man die langfristige Wirkung bestimmter Dünger und Präparate untersuchen. Deswegen prüft die Forschung & Züchtung Dottenfelderhof die Wirkung von Holzhäcksel-Grüngut-Kompost im Vergleich und in Kombination mit Kalidüngung. Der Versuch befand sich 2016 bereits im achten Versuchsjahr.

Die Zukunftsstfitung Landwirtschaft unterstützt das Projekt bereits seit Beginn an. Im Jahr 2016 mit 15.000 €.

Hier geht es zur Internetseite der Forschung & Züchtung Dottenfelderhof


Etwas anders – die "Freie Ausbildung"

Die ökologische Landwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherung, schont das Klima, schützt die natürliche Vielfalt von Tieren und Pflanzen und liefert gesunde Lebensmittel. Wichtigste Voraussetzung für erfolgreichen ökologischen Landbau sind dabei Biobauern und -bäuerinnen mit landwirtschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Fähigkeiten und Kenntnissen.

Bereits heute werden dringend junge Menschen als Nachfolger/innen für Landwirtschaft und Gärtnereien gesucht, denn bei 2/3 aller Höfe in Deutschland ist noch ungeklärt, wer den Betrieb weiterführen wird.

Der Nachwuchs muss dabei das besondere Wissen zum biologischen Landbau mitbringen und den Herausforderungen eines Bio-Hofes mit ausreichend Praxiserfahrung begegnen können.

Die staatliche Ausbildung für LandwirtInnen und GärtnerInnen bietet jedoch kaum Möglichkeiten, sich Wissen zum Biolandbau anzueignen. An den wenigen Berufsschulen werden überwiegend die Methoden des konventionellen Landbaus gelehrt. Auch das Wissen zum bio-dynamischen Landbau, wie z. B. die ganzheitliche Gestaltung eines Betriebes oder die Nutzung von Präparaten, steht an staatlichen Schulen nicht auf dem Lehrplan.

Seit 2008 gibt es die „Freie Ausbildung“ für bio-dynamische Landwirte/Landwirtinnen und Gärtner/innen in Ostdeutschland. In Nord- und Westdeutschland ist sie schon wesentlich länger etabliert und finanziert. Die „Freie Ausbildung Ostdeutschland“ erhält nur wenige staatliche Fördermittel und finanziert sich überwiegend durch Spenden und Mitgliedsbeiträge.

Um dieses außergewöhnliche Ausbildungsangebot auch in Zukunft zu ermöglichen, unterstützte die Zukunftsstiftung Landwirtschaft die "Freie Ausbildung Ostdeutschland" in den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2014 mit insgesamt 27.000 €. Ein Projekt zur Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Trägern der Freien Ausbildungen in Nord, West und Ost wurde mit rund 2.800 € gefördert.

Website zur Freien Ausbildung im Osten


Solidarische Landwirtschaft

Wer will das nicht – gesunde, ökologisch und regional erzeugte Nahrungsmittel? Während Verbraucher/innen beim Einkauf die Wahl haben, müssen Landwirte und Landwirtinnen häufig bis an ihre persönliche Belastungsgrenze und die von Tieren und Böden gehen.

Neben dem Druck möglichst günstig zu produzieren um am Markt bestehen zu können, sind sie abhängig von Subventionen – aber auch von ganz natürlichen Faktoren wie Klima & Witterung. Die daraus entstehenden Risiken wie Absatzschwierigkeiten und Ertragseinbußen tragen landwirtschaftliche Erzeuger meist alleine. Auch Bio-Betriebe können sich dieser Abhängigkeit nicht entziehen.

Eine erfolgreiche Alternative praktizieren die sogenannten „Solidar-Höfe“. Dort teilen sich aktive Landwirte/innen ihre Ernte mit Menschen aus der näheren Umgebung. Im Gegenzug übernehmen diese anteilig alle anfallenden Kosten – und das jeweils ein Jahr im Voraus. Die Produkte des Hofes werden gleichmäßig unter den Unterstützern/innen verteilt, genauso wie das mit der landwirt-schaftlichen Produktion verbundene Risiko. Fällt die Ernte aufgrund von Starkregen oder einem trockenen Sommern mager aus, haben alle weniger in ihrer Hofkiste – die Bauern und Bäuerinnen müssen dennoch nicht um ihre Existenz fürchten.

Das Konzept der solidarischen Landwirtschaft ermöglicht so eine völlig neue Verbindung zwischen Konsumenten und den Produzenten unserer Lebensmittel. Verbraucher/innen können wieder in Kontakt kommen mit den Menschen, den Tieren und der Erde, die ihnen ihre tägliche Mahlzeit ermöglichen. Solidar-Höfe stärken diese Beziehung zwischen Hof und Umfeld häufig zusätzlich – durch gemeinsame Hoffeste und der Möglichkeit sich aktiv in das Hofleben einzubringen.

In Deutschland gründete sich 2011 das Netzwerk „Solidarische Landwirtschaft“. Ziel ist es, diese innovative Wirtschafts- und Beziehungsform zwischen Landwirt/innen und Verbraucher/innen zu stärken und weiter zu verbreiten. Die Initiative unterstützt und berät bei der Neugründung von Solidar-Höfen, vernetzt bestehende Gruppen, veranstaltet Weiterbildungsseminare und betreibt Öffentlichkeitsarbeit. Über die Website des Netzwerks finden Höfe und Interessierte zusammen.

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft förderte das mittlerweile stark gewachsene Netzwerk von Beginn an. Zur Unterstützung der Netzwerkgründung, der Weiterentwicklung der Öffentlichkeitsarbeit und der Betriebsberatung erhielt die Initiative 2011 und 2012 insgesamt 11.500 €.

Website des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft

 


Kein Platz für artenreiche Mähwiesen? – Das Projekt für eine neue „Wiesenkultur“

Blütenreiche Wiesen sind nicht nur schön anzusehen – sie sind auch Heimat von zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die sich hier dank „extensiver Nutzung“ durch die Landwirtschaft etablieren können. Als „extensiv“ werden Maßnahmen wie eine seltener stattfindende Mahd und reduzierte Düngung der Wiese bezeichnet. Der Wert dieser Wiesen geht weit über naturschutzfachliche Aspekte hinaus. Dennoch verschwinden, trotz einiger Bemühungen, diese Bewirtschaftungsform zu fördern, immer mehr artenreiche Wiesen aus unserer Landschaft.

Die konventionelle Landwirtschaft hat das Interesse an der extensiven Wiesenwirtschaft weitestgehend verloren. Der mit der extensiven Bewirtschaftung einhergehende Verzicht auf hohe Grünfuttererträge ist für viele Betriebe nicht attraktiv und rentabel. Selbst Biohöfe betreiben häufig eine relativ intensive Grünlandbewirtschaftung, um der Anforderung an ausreichend betriebseigene Futtermittel gerecht zu werden. Agrarpolitische Fördermaßnahmen konnten diese Entwicklung bislang nicht stoppen.

Mit dem Projekt „Qualitätssteigerung von Kulturlandschaften durch artenreiche Mähwiesen“ hat sich Dr. Hans Christian Vahle, Gründer der Akademie für angewandte Vegetationskunde, ein hohes Ziel gesetzt: Er möchte den land- und naturschutzfachlichen, aber auch den kulturellen und ästhetischen Wert der artenreichen Mähwiesen deutlicher erkennbar machen. Damit sollen Anreize für Bäuerinnen und Bauern geliefert werden, ihr Grünland bzw. Teile ihres Grünlandes extensiver zu bewirtschaften.

Im Rahmen eines ersten, von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft geförderten Teilprojektes, wird mittels einer umfassenden Auswertung von landwirtschaftlicher, landesplanerischer, pflanzen-soziologischer, naturschutzfachlicher und therapeutischer Literatur, der Wert von extensiven Mähwiesen erforscht und allgemeinverständlich dargestellt. Praktische „Hofforschung“ (One-Farm-Resarch) ergänzt die Literaturstudie. Darunter fallen eine Befragung von Landwirten und Landwirtinnen, gemeinsame Geländebegehungen sowie pflanzensoziologische Bestandsaufnahmen.

Die Untersuchung zielt darauf ab, ein Konzept für eine „neue Wiesenkultur“ der Landwirtschaft abzuleiten und deren Wert für Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz, Kulturlandschaft, Gesundheit und Pädagogik zu erfassen. Die Ergebnisse sollen publiziert und in einer „Wiesen-Broschüre“ für den Schutz, die Entwicklung und die Neuanlage von Wiesen beworben werden.

Dieses erste Teilprojekt ist Grundlage für weitere Projekte, die sich der Öffentlichkeitsarbeit und dem Start von Modelprojekten widmen werden.

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft stellt für dieses Projekt rund 5.000 € zur Verfügung.

Website der Akademie für angewandte Vegetationskunde