Freie Projektförderung – Aktuelle Förderprojekte

Hier stellen wir Ihnen beispielhafte Projekte aus unserer freien Projektförderung vor. Wenn Sie mehr erfahren oder weitere Projekte kennenlernen möchten, freuen wir uns auf Ihre Anfrage!


Vom Gras zum Käse – der ganze Weg an einem Tag

Auf dem Hofgut Oberfeld in Darmstadt wird nicht nur aktive Landwirtschaft betrieben, sondern auch der Wertschöpfungsweg „vom Gras bis zum Käse“ erlebbar gemacht. Ein Symposium zu Kühen, Milch und Milchqualität wurde aufgrund der sich drastisch ändernden Umstände für Milchbauern und –bäuerinnen ins Leben gerufen. 50 Teilnehmer*innen konnten von der Herstellung des Futters und Beobachtung der Kühe, über einen „Kuh-Bauern-Talk“ bis hin zur eigenen Käseherstellung diesen Weg aktiv nachverfolgen.

So wird Verbraucher*innen verdeutlicht, was hinter der derzeitigen industriellen Produktion steht, welche wirtschaftliche und strukturelle Schwierigkeiten sich für Bauern und Bäuerinnen daraus ergeben und wie ein tiergerechter Umgang verwirklicht werden kann. Durch diese Veranstaltung wurde Raum für einen ehrlichen Dialog zwischen Konsument*innen und Produzent*innen geschaffen.

 

Dieses inhaltlich und geschmacklich hochwertige Symposium wurde von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft mit 500 Euro unterstützt.

www.landwirtschaft-oberfeld.de

(Bild: Claus Voelker)


Welche Wirkung haben biologisch-dynamische Präparate wirklich?

Schon lange werden Präparate in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft eingesetzt und bilden eine der Grundlagen in der Anthroposophie. Es besteht ein hoher Forschungsbedarf, um die Wirkung wissenschaftlich zu belegen und die Prozesse besser zu verstehen. Durch Untersuchungen der Universität Kassel in Kooperation mit einem engagierten Weinbauberateraus Süd-Frankreich konnten die Auswirkungen dieser Präparate auf verschiedenen Flächen genauer unter die Lupe genommen werden.

Dafür wurde auf insgesamt fünfWeinbergen jeweils eine Fläche mit und eine Fläche ohne Präparate angelegt. Die ersten Untersuchungen der Bodenproben erzielten interessante Ergebnisse: Die Flächen weisen signifikante Unterschiede auf. Behandelte Flächen unterscheiden sich beispielsweise durch bessere Durchwurzelung in drei von vier Fällen. Weitere Parameter, wie z.B. PH-Wert, Wasserhaltekapazität und Stickstoffgehalte, sollen noch untersucht werden.

Durch die erzielten Ergebnisse ist hoffentlich der Weg für größere Versuchsreihen geebnet. Möglich wäre z. B. eine Ausdehnung zukünftiger Versuche, um auch die Auswirkungen auf Weinqualität und Pflanzenentwicklung zu analysieren. Somit könnte die Anwendung von Präparaten weiter wissenschaftlich untermauert werden und damit erheblich an Bedeutung in der Anwendung gewinnen.

Dieses spannende Forschungsprojekt wurde von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft mit 5.500 Euro unterstützt.


Gemüsewerft - Regionales Gemüse in der Stadt?

Mitten in der Großstadt ein Gemüsebeet: in Bremen baut die Gemüsewerft über 75 verschiedene Nutzpflanzen nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus an. Damit die Erzeugnisse nicht weit reisen müssen, werden diese im Umkreis von höchstens sechs Kilometern gastronomisch verwertet. Der angebaute Hopfen zum Beispiel wird in einer Bremer Braumanufaktur zu einem eigenen Bier verarbeitet und in der betriebseigenen Gastronomie ausgeschenkt.

Nicht nur gesundes Gemüse, sondern auch eine funktionierende Art zu wirtschaften: In der Gemüsewerft gibt es vielfältige Partizipationsmöglichkeiten. Freiwillige Helfer*innen aus dem Quartier helfen an festen „Gartentagen“. Durch die Gesellschaft für integrative Beschäftigung der Gemüsewerft wird es zudem auch nicht-erwerbsfähigen Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie mit seelischen und geistigen Behinderungen ermöglicht, mitzumachen. Landwirtschaftliche Kompetenzen sowie die Herstellung von ökologischen Lebensmitteln werden so direkt am Verbraucherstandort gebündelt.

Damit dieses Projekt in einem noch größeren Rahmen auf nun insgesamt 5000 m² stattfinden kann, förderte die Zukunftsstiftung Landwirtschaft die Anschaffung von Gartenmaterialien und Lagermöglichkeiten mit 2.000 Euro.


Teosinte – Eine Wildform wird zum Super-Unkraut?

Auf Spaniens Äckern taucht seit einigen Jahren immer häufiger eine Form der Teosinte (Wildform von Mais) auf, welche ursprünglich aus Zentralamerika stammt. Wie sie nach Spanien kommen konnte ist bisher noch unklar. In einer wissenschaftlichen Studie von Testbiotech konnten nun Kreuzungen von Teosinte mit Kulturmais nachgewiesen werden.

Der offenbar freie Genfluss zwischen Teosinte und Kulturmais stellt ein hohes Risiko dar. Da besonders zu Beginn der Wuchsperiode Teosinte und Kulturmais kaum zu unterscheiden sind, ist eine Erkennung und Bekämpfung des neuen Unkrautes fast unmöglich. So sind durch die Ausbreitung der Teosinte bereits erhebliche ökonomische Schäden entstanden. Noch weitreichender könnten aber die Folgen sein, falls sich auch gentechnisch-veränderter Mais (wovon in 2016 über 100 000 Hektar in Spanien angebaut wurden) frei mit Teosinte kreuzt. Dadurch könnte Teosinte zu einem unberechenbaren Unkraut werden, das z. B. selbst Insektengift produziert. Erhebliche Schäden in Landwirtschaft und Umwelt wären die Folge. Deswegen fordert Testbiotech einen Anbaustopp von gentechnisch verändertem Mais in Spanien. Die EU schreibt vor, dass ein möglicher Gen-Austausch zwischen Gentechnik-Pflanzen und verwandten wilden Pflanzen genau untersucht werden muss. Dies ist jedoch bislang nicht geschehen, da die Ausbreitung der Teosinte in Spanien erst seit einigen Jahren bekannt ist.

Die Erstellung der Studie von Testbiotech wurde von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft mit 4.000 Euro unterstützt.

www.testbiotech.de


Zündstoff für die Agrardebatte

Mit dem kritischen Agrarbericht gibt das AgrarBündnis e.V. jährlich eine umfassende Publikation zum Stand der Landwirtschaftspolitik heraus und zeigt zugleich zukunftsweisende Alternativen für den Agrarsektor.

Immer größere „industrialisierte“ landwirtschaftliche Betriebe, Massentierhaltung und der Verlust der Vielfalt bei Pflanzen und Tieren scheinen auf Grund des ökonomischen Drucks fast Naturgesetz zu sein. Gewollt und gefördert wird diese Entwicklung noch immer durch Politik und Agrarindustrie.

Dass man diesem Trend mit einem Politikwechsel, guten Konzepten und Projekten etwas entgegensetzen kann, zeigt der kritische Agrarbericht. Die umfangreiche Publikation wird jährlich von einem Zusammenschluss von Landwirtschafts-, Umwelt- und Tierschutzverbänden sowie Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit herausgegeben.

In elf Kapiteln zu den Themen Agrarpolitik & soziale Lage, Welthandel & Ernährung, Ökologischer Landbau, Produktion & Markt, Regionalentwicklung, Natur & Umwelt, Wald, Tierschutz & Tierhaltung, Gentechnik, Agrarkultur sowie Verbraucher & Ernährungskultur liefert der kritische Agrarbericht eine Fülle von Informationen. Diese werden in etwa 50 Beiträgen von Autoren/innen aus Wissenschaft und Praxis, Politik und Verbänden zusammengetragen.

Jedes Jahr wird ein anderer Schwerpunkt in den Fokus genommen – 2017 das Thema "Wasser". Der seit 1993 erscheinende Bericht ist eine immer stärker nachgefragte Informationsquelle für Journalisten/innen und politische Akteure. Er leistet einen wichtigen inhaltlichen Beitrag für die Diskussion um die Neuausrichtung unserer nationalen und internationalen Agrarpolitik.

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft unterstützt das AgrarBündnis bei der Herausgabe des Kritischen Agrarberichts bereits seit 2002. Die Veröffentlichung des Berichtes bisher jährlich mit 4.000 € gefördert.

Website zum "Kritischen Agrarbericht"


Ökologische Kalidüngung

Ein zu niedriger Kaliumgehalt im Boden kann Pflanzen dauerhaft schädigen.

Ein zu niedriger Kaliumgehalt führt zu einer Unterversorgung der Pflanzen und dadurch zu deren Schädigungen bzw. zu Mindererträgen. Eine gleichmäßige und nachhhaltige Versorgung des Bodens mit Kalium ist gerade für ökologische Betriebe mit geringer Tierhaltung von großer Bedeutung. Denn neben Mist gibt es nur wenige andere Biodünger mit Kalium. Um neue Wege und Alternativen zu finden, muss man die langfristige Wirkung bestimmter Dünger und Präparate untersuchen. Deswegen prüft die Forschung & Züchtung Dottenfelderhof die Wirkung von Holzhäcksel-Grüngut-Kompost im Vergleich und in Kombination mit Kalidüngung. Der Versuch befand sich 2016 bereits im achten Versuchsjahr.

Die Zukunftsstfitung Landwirtschaft unterstützt das Projekt bereits seit Beginn an. Im Jahr 2016 mit 15.000 €.

Hier geht es zur Internetseite der Forschung & Züchtung Dottenfelderhof


Solidarische Landwirtschaft

Wer will das nicht – gesunde, ökologisch und regional erzeugte Nahrungsmittel? Während Verbraucher/innen beim Einkauf die Wahl haben, müssen Landwirte und Landwirtinnen häufig bis an ihre persönliche Belastungsgrenze und die von Tieren und Böden gehen.

Neben dem Druck möglichst günstig zu produzieren um am Markt bestehen zu können, sind sie abhängig von Subventionen – aber auch von ganz natürlichen Faktoren wie Klima & Witterung. Die daraus entstehenden Risiken wie Absatzschwierigkeiten und Ertragseinbußen tragen landwirtschaftliche Erzeuger meist alleine. Auch Bio-Betriebe können sich dieser Abhängigkeit nicht entziehen.

Eine erfolgreiche Alternative praktizieren die sogenannten „Solidar-Höfe“. Dort teilen sich aktive Landwirte/innen ihre Ernte mit Menschen aus der näheren Umgebung. Im Gegenzug übernehmen diese anteilig alle anfallenden Kosten – und das jeweils ein Jahr im Voraus. Die Produkte des Hofes werden gleichmäßig unter den Unterstützern/innen verteilt, genauso wie das mit der landwirt-schaftlichen Produktion verbundene Risiko. Fällt die Ernte aufgrund von Starkregen oder einem trockenen Sommern mager aus, haben alle weniger in ihrer Hofkiste – die Bauern und Bäuerinnen müssen dennoch nicht um ihre Existenz fürchten.

Das Konzept der solidarischen Landwirtschaft ermöglicht so eine völlig neue Verbindung zwischen Konsumenten und den Produzenten unserer Lebensmittel. Verbraucher/innen können wieder in Kontakt kommen mit den Menschen, den Tieren und der Erde, die ihnen ihre tägliche Mahlzeit ermöglichen. Solidar-Höfe stärken diese Beziehung zwischen Hof und Umfeld häufig zusätzlich – durch gemeinsame Hoffeste und der Möglichkeit sich aktiv in das Hofleben einzubringen.

In Deutschland gründete sich 2011 das Netzwerk „Solidarische Landwirtschaft“. Ziel ist es, diese innovative Wirtschafts- und Beziehungsform zwischen Landwirt/innen und Verbraucher/innen zu stärken und weiter zu verbreiten. Die Initiative unterstützt und berät bei der Neugründung von Solidar-Höfen, vernetzt bestehende Gruppen, veranstaltet Weiterbildungsseminare und betreibt Öffentlichkeitsarbeit. Über die Website des Netzwerks finden Höfe und Interessierte zusammen.

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft förderte das mittlerweile stark gewachsene Netzwerk von Beginn an. Zur Unterstützung der Netzwerkgründung, der Weiterentwicklung der Öffentlichkeitsarbeit und der Betriebsberatung erhielt die Initiative 2011 und 2012 insgesamt 11.500 €.

Website des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft